Saarbrücken, 17.06.2025. Der Gewerbe- & Unternehmerverband des Saarlandes – GVS e.V. begrüßt die von Ministerpräsidentin Anke Rehlinger angekündigte Reform des saarländischen Vergaberechts als klares Signal zur Entbürokratisierung und Stärkung des Mittelstands. Die geplante deutliche Anhebung der Wertgrenzen bei öffentlichen Aufträgen eröffnet insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wieder echte Chancen zur Teilnahme an staatlichen Ausschreibungen.
„Für viele inhabergeführte Betriebe waren die bisherigen Hürden schlicht nicht zu bewältigen. Wer zwischen Werkzeugkoffer und Kundenauftrag noch seitenlange Vergabeunterlagen bearbeiten soll, macht am Ende oft gar nicht erst mit. Umso mehr begrüßen wir, dass die Landesregierung dieses Problem nun angeht“, erklärt GVS-Vorsitzender Timo Lehberger.
Die neuen Regelungen, die bereits zum 1. Juli 2025 in Kraft treten sollen, ermöglichen unter anderem Direktvergaben bis 100.000 Euro sowie freihändige Vergaben und beschränkte Ausschreibungen ohne Teilnahmewettbewerb bis zum EU-Schwellenwert. Gleichzeitig soll der kommunale Vergabeerlass angepasst und der Missbrauch durch klare Antikorruptionsregeln verhindert werden.
„Gerade im kommunalen Bereich war das Vergabewesen bislang ein Paradebeispiel für gut gemeinte, aber praxisferne Vorschriften. Wir sehen in der Reform eine echte Chance für lokale Betriebe, wieder sichtbarer und konkurrenzfähiger zu werden – und für Verwaltungen, Projekte schneller und effizienter umzusetzen“, so Lehberger weiter.
Positiv bewertet der Verband auch die angekündigte Innovationsklausel, die jungen Unternehmen und StartUps mit kreativen Lösungen den Zugang zu öffentlichen Aufträgen erleichtern soll. Entscheidend sei nun die konsequente Umsetzung in der Praxis – mit nachvollziehbaren, verständlichen Regeln und einer echten Bereitschaft zur Vereinfachung auf allen Verwaltungsebenen.
Ergänzend regt der GVS an, das neue Vergabewesen um einen saarländischen Mittelstandsbonus zu erweitern. „In Baden-Württemberg erhalten kleine Unternehmen bei gleichwertigen Angeboten einen Zuschlag, wenn sie aus der Region stammen oder tarifgebunden sind – das wäre auch für das Saarland ein starkes Signal zur Stärkung der regionalen Wirtschaft“, so Lehberger.